Jüdische Gedankenwelt

Über den Tellerrand geschaut

Wenn Kinder heimkehren wie die Tora

Wenn Kinder heimkehren wie die Tora

Es gibt Momente, in denen Worte aus der Tora plötzlich lebendig werden. Nicht im Lehrhaus, nicht im Kommentar — sondern mitten im Alltag, mitten im eigenen Zuhause. So geht es mir mit Eschet Chajil, den Versen aus Mischle 31, die am Freitagabend gesungen werden. Lange hörte ich sie als schönes Lob auf die jüdische Frau. Doch je älter meine Kinder werden und je öfter sie fortgehen und wieder heimkehren, desto mehr höre ich darin auch etwas anderes: eine Geschichte von Sehnsucht, Wärme und Rückkehr. Kurz vor Schawuot wurde mir klar, wie sehr sich die Tora und unsere Kinder ähneln. Beides

Nicht alleine Unterwegs – die verborgene Gemeinschaft im jüdischen Reisegebet

Ich sitze im Auto, im Zug oder gar im Flugzeug, ich bin unterwegs. Ich bin auf dem Weg: Dieser Moment hat in der jüdischen Tradition eine ganz konkrete Form. Nicht nur ein Gefühl, nicht nur ein Innehalten, sondern eine klare Handlung: die Tefilat HaDerech zu sprechen. Nicht jeder Weg ist gleich. Die Halacha lässt uns hier nicht im Ungefähren. Sie sagt deutlich: Wer eine Reise beginnt, spricht dieses Gebet. Doch was heisst „Reise“ überhaupt? Gemeint ist nicht jeder kleine Weg zum Einkaufen. Klassisch wird eine Strecke ausserhalb der Stadt verstanden, etwa ab dem Verlassen der letzten Häuser oder bei einer

Esther – oder wie eine Frau die Welt verändert

Ich stelle mir vor, ich stehe in einem Palast, umgeben von Gold, Silber, Edelsteinen und Macht, doch mein Herz schlägt für etwas Anderes. Warum bin ich eigentlich hier? Wollte ich das? Nein! Ich befinde mich an diesem Ort, weil das Schicksal es so wollte – und plötzlich trage ich eine Krone, die schwerer ist als alle Juwelen. Genau so beginnt Esthers Geschichte. Nicht als Prinzessin aus dem Märchen, sondern als Frau, die in einer Welt voller Lügen und Intrigen klug handeln muss, um zu überleben.

Purim und das Geheimnis der Kleidung

Und schon wieder ist Rosch Chodesch Adar da. Kaum hat man die Chanukkaleuchter verstaut, klopft Purim bereits leise – und manchmal auch ziemlich laut – an die Tür. Wie schnell doch ein jüdisches Jahr vergeht. Kaum haben wir einen Feiertag gefeiert, stehen wir schon mitten in den Vorbereitungen für den nächsten. Ist es nicht genau dieser Kreis des Lebens, der uns Struktur gibt und uns beflügelt?
Der Mensch als Baum – Wachstum oder Verfall

Der Mensch als Baum – Wachstum oder Verfall

Wenn ich an den Monat Schwat denke, taucht vor meinem inneren Auge fast automatisch ein Baum auf. Still, verwurzelt, und doch voller Bewegung. Der wohl bekannteste Tag dieses Monats, des elften Monats ist Tu-BiSchwat, der fünfzehnte Schwat – das «Neujahr der Bäume». Aber was feiern wir da eigentlich wirklich? Nur die Bäume? Oder vielleicht auch uns selbst?

Warum ich Weihnachten nicht feiere – und was ich stattdessen mache

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt: Wie erleben jüdische Menschen die Weihnachtszeit? Oder was Chanukka wirklich bedeutet – jenseits vom Begriff «jüdisches Weihnachten»? Als Jüdin bekomme ich im Dezember oft dieselbe Frage: «Feierst du Weihnachten?»

„Licht aus der Vergangenheit – Jüdische Stärke im 21. Jahrhundert“

Jüdische Stärke ist etwas Tiefes und Stilles. Sie zeigt sich nicht nur in Widerstand oder Kampf, sondern vor allem im Überleben, im Weitergehen, im Weiterlieben, im Weitermachen.

Elul – Die Kunst des Loslassens: Was ich als Mutter erwachsener Kinder lerne

Der Monat Elul ist für uns alle eine Zeit der Selbstreflexion, der Teschuwa – der Rückkehr zu Gott und zu uns selbst. Wir blicken zurück auf das vergangene Jahr und fragen uns: Was habe ich erreicht? Was ist mir nicht gelungen? Und vor allem: Warum tue ich, was ich tue? Ist mein Motiv wirklich gut oder nur bequem?

Berge, Ferien, Schabbat – aber bitte ohne Lichtschranken!

Die Schule ist vorbei, der Sommer ist da, und wir wollen weg. Raus aus unserem Trott und den Alltag hinter uns lassen. Auftanken, um dann mit neuem Elan die bevorstehenden Hohen Feiertage und das kommende Jahr in Angriff zu nehmen. Wir brauchen diese Ferien! Wir träumen von frischer Luft und kühlen Nächten. Die Kids sollen rennen, wir wollen atmen. Aber nicht an irgendeinem Ort, sondern dort, wo wir unser Judentum nicht im Koffer lassen müssen.