Jom Jeruschalajim – Die spirituelle und nationale Bedeutung Jerusalems

Jom Jeruschalajim ist ein jährlich am 28. Ijar (Mai/Juni) begangener israelischer Feiertag. Er erinnert an einen der bewegendsten Momente der jüngeren israelischen Geschichte: die Wiedervereinigung Jerusalems im Jahr 1967 infolge des Sechstagekriegs. Dieses Ereignis markierte die Rückkehr israelischer Kontrolle über die Altstadt, einschließlich ihrer heiligsten Stätten: der Klagemauer.

«Der Tempelberg ist in unserer Hand»

Im Laufe des Sechstagekriegs (5.–10. Juni 1967) rückte die israelische Armee in Ostjerusalem vor. Am 7. Juni 1967 erreichten israelische Fallschirmjäger die Klagemauer. Die daraufhin vom damaligen Brigadegeneral Motta Gur gesprochenen Worte – „Der Tempelberg ist in unserer Hand!“ (הר הבית בידינו – Har ha-Bayit be-Yadeinu) – fanden weltweite Beachtung. Sie besiegelten das Ende einer 19-jährigen Teilung Jerusalems, ein Augenblick, der von vielen Juden als Wunder und Zeichen göttlicher Fügung wahrgenommen wurde. Jom Jeruschalajim ist in Israel ein offizieller, jedoch kein gesetzlicher Feiertag ist. Besonders in Jerusalem wird er mit großer Hingabe gefeiert. Doch auch zahlreiche Synagogen und jüdische Gemeinden weltweit begehen diesen Tag. Die Feierlichkeiten umfassen Fahnenumzüge, musikalische Darbietungen und historische Vorträge. In vielen religiösen Gemeinschaften ist der Tag von Dankgebeten, Tora-Studium und der Reflexion über die spirituelle Bedeutung Jerusalems geprägt.

Jerusalem – das Herz des Judentums

Jerusalem ist weit mehr als nur ein geografischer Mittelpunkt; es bildet das spirituelle, historische und emotionale Zentrum des Judentums. Die tiefe Bedeutung dieser einzigartigen Stadt ist in der Bibel, der Liturgie und der jüdischen Tradition fest verwurzelt.

Vor über 3.000 Jahren erklärte König David Jerusalem zur Hauptstadt des vereinten Königreichs Israel. Sein Sohn Salomo errichtete dort den ersten Tempel, das geistige Zentrum des Volkes Israel. Der Tempelberg (Har ha-Bajit) gilt als Ort der göttlichen Gegenwart (Schechina), des Opferdienstes, der Versöhnung und der Verbindung zwischen Himmel und Erde. Die die Klagemauer (Kotel Maarawi) ist das einzige erhaltene Relikt dieses Tempels und zählt zu den heiligsten Stätten des Judentums.

Jede meiner Reisen nach Jerusalem beinhaltet mindestens einen Besuch an der Kotel, und zwar zu jeder Tageszeit. An der Klagemauer herrscht stets reges Treiben; immer sind Menschen dort anzutreffen, die ihr Herz vor dem Ewigen ausschütten. Gebete, Gesänge und die Stimmen anderer Religionen vermischen sich an diesem Ort der Andacht, der Tränen und der Freude. Zahlreiche Brautpaare lassen sich an ihrem wichtigsten Tag dort fotografieren, Bar Mitzwot werden gefeiert, Beschneidungen finden statt, und alltägliche Gebete werden verrichtet. Das Herz der Stadt pulsiert unaufhörlich an diesem Ort.

Jerusalem im jüdischen Gebet

Wie ein roter Faden zieht sich Jerusalem durch alle jüdischen Gebete. Synagogen weltweit sind nach ihr ausgerichtet. In der Schmone Essre (dem Achtzehngebet), dem zentralen Gebet der jüdischen Liturgie, heißt es täglich: „Und bringe uns in Frieden nach unserer Stadt Jerusalem.“ Auch in den Tischgebeten und im Kaddischgebet (Trauergebet) wird Jerusalem als Ort der Erlösung erwähnt. Am Ende des Abendmahls am Pessach (an der Sedernacht) sprechen wir die Worte: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ (לשנה הבאה בירושלים). Dieser Satz symbolisiert die jahrtausendelange Sehnsucht nach Rückkehr, Heilung und Ganzwerdung – sowohl in physischer als auch spiritueller Hinsicht.

Zion – nationales und geistiges Zentrum

Für die zionistische Bewegung war Jerusalem nicht nur ein Symbol der Hoffnung, sondern das geistige Zentrum des zukünftigen jüdischen Staates. Der poetische Begriff „Zion“, der besonders in den Psalmen auftaucht, steht für Heil, Heimkehr und nationale Wiedergeburt. Seit 1967 ist Jerusalem wieder vereint – West und Ost. Der israelische Staat betrachtet sie als seine „ungeteilte Hauptstadt“, Sitz zahlreicher zentraler Institutionen wie der Knesset, des Obersten Gerichtshofs und der Präsidentenresidenz.

Jerusalem in den Psalmen: Worte der Liebe und Hoffnung

Psalm 137,5–6: Ein Ausdruck tiefster Liebe zur Stadt „Wenn ich dich vergesse, Jerusalem, soll meine rechte Hand verdorren. Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich nicht an dich denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.“ Psalm 122,6–9: Ein Gebet für den Frieden Jerusalems „Bittet für den Frieden Jerusalems: Es möge wohlgehen denen, die dich lieben! Friede sei in deinen Mauern, Ruhe in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des HERRN, unseres Gottes, willen will ich dein Bestes suchen.“ Jesaja 2,2–3: Vision einer messianischen Zeit, in der Jerusalem zum Zentrum spiritueller Weisheit für alle Völker wird „Und es wird geschehen am Ziel der Tage: da wird der Berg des Gotteshauses fest gegründet sein und dem Gipfel der Berge … Viele Völker werden hingehen und sprechen: Geht voran und lasst uns zum Berg Gottes hinaufziehen, zum Haus des Gottes Jakows, dass er uns belehre über seine Wege …“

Jerusalem im Herzen: Die Bücher des Verlags Morascha

Jom Jeruschalajim ist weit mehr als ein Gedenktag – er ist ein Tag der Dankbarkeit, der Hoffnung und der tiefen spirituellen Verbundenheit mit einer Stadt, die über Jahrtausende hinweg das Herz des jüdischen Lebens geblieben ist. Jerusalem ist nicht nur ein Ort auf der Landkarte – sie ist eine ewige Idee, ein Gebet, ein Traum. An Jom Jeruschalajim feiern wir diesen Traum, seine Erfüllung – und hoffen auf seine endgültige Vollendung in Frieden und Einheit.

Beim Verlag Morascha bewahren wir die Stimme Jerusalems – durch Bücher, die nicht nur lehren, sondern verbinden:

  • Siddur Schma Kolenu“ – ein Gebetbuch, das die Stimme Jerusalems mit verständlicher Übersetzung und Kommentaren für Herz und Verstand in den Alltag trägt. 
  • Tehillim Schma Kolenu“ – die Psalmen mit deutscher Übersetzung und klassisch-jüdischer Deutung – ein Tor zur emotionalen Tiefe jüdischer Frömmigkeit.
  • Die Psalmen“ von Rabbiner Samson Raphael Hirsch – ein zeitloser Schatz, der die spirituelle Größe Jerusalems in Sprache und Deutung meisterhaft erschließt.
  • Mein Weg“ – eine nicht klassische Biografie, die einen faszinierenden Einblick in das Leben und in die Gedanken eines der interessantesten jüdischen Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts gibt.
  • Das Buch Jeschaja“ – Nevi’im Achronim Band 1, Übersetzung und Kommentar von Julius Hirsch zum 1. Band der späten Propheten.
  • Von der Menora zum Davidstern“ – ein einzigartiger Überblick über jüdische Symbolik und Geschichte – mit Jerusalem als Zentrum und Ursprung.
  • Die Kunst des Betens – Spiritueller Leitfaden zum jüdischen Gebetbuch Siddur Omanut ha-Tefila“ – unser spiritueller Leitfaden zum jüdischen Gebetbuch, in dem Jerusalem durch Gebete und Quellen aus Talmud, Kabbala und Chassidut lebendig wird.

In all diesen Büchern klingt sie mit: die Liebe zu Zion, die Hoffnung auf Erlösung, der Klang der Psalmen – und das leise Flüstern von Jeruschalajim, unserer ewigen Stadt.